szmmctag

Archiv der Einträge: November, 2006
  • Augentrost aus dem Meer

    Der reichliche Verzehr von Thunfisch kann trockenen Augen vorbeugen

    Zu diesem Ergebnis kommt die große amerikanische Frauengesundheitsstudie „Women’s Health Study“. Der Meeresbewohner ist ein ausgezeichneter Lieferant von Omega-3-Fettsäuren, die der Grund für die positive Wirkung auf die Augen sein sollen.

  • Gesund essen schützt die Augen

    Wer viel Joghurt, Vollkornbrot oder Obst isst, trägt damit offenbar zum Erhalt seiner Sehkraft bei

    Das vermuten US-Forscher, die jetzt die Gesundheitsdaten von rund 500 Frauen zwischen 53 und 73 analysiert haben. Standen bei den Teilnehmerinnen hauptsächlich Lebensmittel auf dem Speiseplan, die den Blutzucker nur langsam ansteigen ließen, erkrankten sie seltener an der altersbedingten Makula-Degeneration (AMD). Die Krankheit, auch „Altersblindheit“ genannt, gilt als häufigste Ursache von schweren Sehbehinderungen in der zweiten Lebenshälfte.

    Griffen die Frauen dagegen eher zu Pommes frites, Weißbrot oder Keksen – typische Beispiele für Produkte, die „schnell ins Blut“ gehen –, trat der Netzhautschaden deutlich häufiger auf. „Die Resultate bestätigen Hinweise aus früheren Studien“, urteilt Prof. Dr. Frank Holz, AMD-Spezialist an der Uniklinik Bonn. „Eine gesunde, vitaminreiche Ernährung scheint am ehesten geeignet zu sein, einer Makula-Degeneration vorzubeugen.“

  • Entspannung fürs Herz

    Gedanken weiterschicken, Stille erfahren. Vier Entspannungsmethoden, die auch den Blutdruck senken

    Nur auf den Rhythmus des Atems hören. An nichts anderes mehr denken. Die Luft einströmen lassen, langsam ausatmen. Nach ein paar Minuten stellt sich schon der erste Erfolg ein: Ruhe breitet sich im Körper aus. Die wohltuende Stille wirkt wie ein Medikament. Sanft und ohne Nebenwirkung. Entspannung wappnet den Körper gegen schädlichen Stress, der auf Dauer krank macht und den Blutdruck bei vielen Menschen nach oben treibt. Wer eine ausgleichende Technik beherrscht, bleibt gelassener. Ob Yoga, Muskelentspannung nach Jacobson, autogenes Training oder Meditation: Regelmäßiges Ruhetraining wirkt nach innen, entspannt auch Herz und Kreislauf und schützt die Blutgefäße, sagen US-Wissenschaftler. Bei 103 älteren, meditierenden Patienten mit koronarer Herzkrankheit besserten sich am Ende der Studie Werte wie der Blutdruck, der Blutzucker und die Herzfrequenz.

    Der obere Blutdruckwert sinkt
    „Entspannung wirkt blutdrucksenkend“, weiß Prof. Wolfram Voelker aus seinen Studienergebnissen. „Der obere Wert sinkt dadurch im Schnitt um 15 mmHg.“ Neben Tabletten verschreibt der Kardiologe von der Uni Würzburg, der Bluthochdruck gerne ganzheitlich behandelt, deshalb auch Relaxübungen. „Wenn die Patienten ein Entspannungsverfahren beherrschen, lässt sich oft die Medikamentendosis reduzieren.“ Auch bei Älteren bestehen gute Erfolgsaussichten, den Druck zusätzlich auf sanfte Art zu senken, sagt Voelker.

    Es kommt auf den Willen an, sich auf die oft ungewohnten Übungen einzulassen und das passende Verfahren und den passenden Lehrer zu finden, denn davon hängt ab, ob man durchhält. Selbsthypnose ist manchem zu abstrakt und Yoga zu schweißtreibend. Chronisch Kranke sollten auch ihren Arzt fragen, bevor sie starten. Das gilt zum Beispiel für Patienten mit Depressionen. Wer „seine“ Methode gefunden hat und nachhaltige Effekte für Herz und Kreislauf erzielen will, muss regelmäßig üben. Anfänger sollten sich zunächst von einem Lehrer anleiten lassen, um falsches Üben zu vermeiden. Kurse bieten Volkshochschulen, Sportinstitute und Gesundheitszentren an. Manche richten sich speziell an Senioren und werden im Einzelfall von der Krankenkasse bezahlt.

    Besseres Körpergefühl
    Ein schöner Nebeneffekt des Relaxtrainings: Übende bekommen ein besseres Gefühl dafür, was ihrem Körper guttut. So achten viele Yoga-Neulinge plötzlich auf gesunde Ernährung, hören auf zu rauchen oder entdecken ihren Spaß an Bewegung. Ein Grund mehr, seine Achtsamkeit öfter nach innen zu lenken und einfach mal seinem Atem zu lauschen.

    Yoga
    Die Methode: Wer anfängt, lernt zunächst einmal auf einen gleichmäßigen Atem zu achten. Die Atemübungen und die „asanas“ genannten Sitz- und Körperhaltungen des Yoga zielen darauf, seine innere und äußere Haltung zu lockern. Das jahrtausendealte Übungssystem gehört zur indischen Philosophie. Im Westen werden vor allem körperbetonte Yoga-Formen praktiziert.
    Für wen geeignet?
    Menschen mit gutem Körperbewusstsein tun sich leichter. Übungen lassen sich aber auch für weniger Bewegliche anpassen.

    Entspannung nach Jacobson
    Die Methode: „Bewusst anspannen und loslassen“ ist das Prinzip, das der Arzt Edmund Jacobson 1925 entwickelt hat, um Muskelpartien zu lockern und die durch Stress und Kummer oft unmerklich erhöhte Anspannung im Körper abzubauen. Beginnend mit den Händen spannt der Übende nacheinander bestimmte Muskelgruppen über Schultern und Bauch bis zu den Füßen an, hält die Spannung sechs bis sieben Sekunden und lässt wieder locker.
    Für wen geeignet?
    Aktive, konkret erfahrbare und leicht erlernbare Methode. Besonders für Einsteiger geeignet.

    Autogenes Training
    Die Methode: „Mein Arm ist jetzt ganz schwer und warm!“ Mit Hilfe solcher Formeln und der Vorstellung, wie der Arm nun tiefer in die Unterlage sinkt, lernt der Übende, einzelne Regionen und schließlich den ganzen Körper zu entspannen. Durch die Selbstsuggestion stellen sich die gewünschten Gefühle wirklich ein. Je mehr Übung man hat, desto schneller geht es. Autogenes Training kann sogar mithelfen, einen beschleunigten Herzschlag zu normalisieren.
    Für wen geeignet? Gefragt ist gutes Vorstellungsvermögen. Nichts für Hektiker und Ungeduldige.

    Meditation

    Die Methode: Wer Erfahrung mit Meditation hat, weiß: Es ist möglich, nicht zu denken. Bei der Flut von Reizen, die täglich auf uns einströmt, erfordert es allerdings viel Training, sich in diesen Zustand zu versetzen. Achtsamkeits- und Konzentrationsübungen helfen auf dem Weg zu dieser inneren Ruhe. Zur Besinnung und Bewusstseinsänderung ist Meditation auch Bestandteil vieler Religionen.
    Für wen geeignet?
    Das Sich-Versenken erfordert Konzentration und eine Menge Geduld. Wer es beherrscht, kann aber sehr tiefe Entspannung erfahren. Leichter erlernbar sind durch Bewegung unterstützte Formen der Meditation wie Tai-Chi.

     

  • Borderline: Am Abgrund der Gefühle

    Bis zu drei Prozent der Erwachsenen leiden unter einer Borderline-Persönlichkeitsstörung. Extreme emotionale Spannungen prägen das Leben Betroffener

    Nirgends passe ich dazu. Ich bin wie eine Außerirdische auf dieser Welt, denke und fühle ganz anders als die übrigen Menschen.“ Mit diesen Worten beschreibt die 33-jährige Meike Graf (Name geändert) das Lebensgefühl, das sie schon vor der Pubertät geprägt hat. Phasenweise wurde dieses „Anderssein-Gefühl“ so stark, dass sie keinen Ausweg mehr sah. Schon mit zwölf Jahren hatte sie starke Suizidgedanken, denen später mehrere Selbstmordversuche folgten.

    „Der Gedanke, dass ich jederzeit Schluss machen kann, hat mein Leben lange Zeit überhaupt erst aushaltbar gemacht“, sagt Graf, die heute die meiste Zeit symptomfrei ist und ihre Erkrankung gut im Griff hat. Im Alter von 21 Jahren hatten die Ärzte eine Borderline-Persönlichkeitsstörung bei ihr festgestellt. Seitdem unterzog sie sich mehreren Therapien. Mit Erfolg: Mittlerweile organisiert sie eine Selbsthilfegruppe für Borderliner und arbeitet mit psychisch Kranken. Auch die 40-jährige Regine Schaub engagiert sich in der Selbsthilfe (siehe www.borderline-community.de). „Der Kontakt mit anderen Betroffenen hilft mir. Man ist nie alleine und sieht viele Parallelen, aber auch Unterschiede zu seiner eigenen Geschichte.“

    Beziehungen als Fallstricke

    Borderliner sind Beziehungsfanatiker: Sie wollen in Kontakt treten, können aber oft nicht. Viele beschreiben sich als äußerst offen und besonders sensibel für zwischenmenschliche Situationen. Auf der anderen Seite bestimmt extremes Misstrauen ihre sozialen Beziehungen. Nur sehr schwer bauen sie ein enges Vertrauensverhältnis zu anderen auf.

    Borderliner fallen auf. Die Störung zeigt sich fast ausschließlich in der schwierigen Gestaltung von Beziehungen – egal ob im privaten Umfeld, in der Familie oder im Beruf. „Persönlichkeitsstörungen sind Interaktionsstörungen“, erklärt Dr. Michael Armbrust Chefarzt der Medizinisch-Psychosomatischen Klinik Bad Bramstedt. „Die Betroffenen haben häufig Schwierigkeiten mit anderen Menschen. Sie kommen mit der Umwelt und mit sich selbst nicht gut zurecht.“ Selbstwertprobleme und Depressionen begleiten das Sich-in-der-Welt-nicht-Wiederfinden. Geistig verwirrt oder „verrückt“ sind die Patienten jedoch nicht.

    Keine Kontrolle über die Gefühle

    Der Grund für die typischen Probleme und zentrales Symptom der psychischen Erkrankung ist emotionale Instabilität. In der Fachsprache heißt die Störung daher auch korrekt „emotional-instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ“. Womit Betroffene wie Meike Graf und Regine Schaub sich und anderen das Leben schwer mach(t)en: Impulsivität und extreme Probleme, die Gefühle zu regulieren, was sich in heftigen Stimmungsschwankungen äußert.

    „Gesunde haben vielleicht einmal einen schlechten Tag, bei Borderlinern geht es dauernd um den Wechsel von guten und schlechten Stunden“, weiß Armbrust. Die Stimmung schlägt aus dem Nichts heraus um, „so, als ob man einen Schalter umlegt“. Regine Schaub bestätigt: „Eine Kleinigkeit kann reichen, damit ich regelrecht ausraste. Da habe ich schon Sachen durch die Gegend geworfen.“

    Jeder Tag wird zur Qual

    Betroffene sehen also scheinbar ohne Grund plötzlich rot. „Ein gesunder Mensch kann normalerweise kontrollieren, wie weit er seine Gefühle ausreizt. Ein Borderliner setzt seine Gefühle, Stimmungen und Ideen unmittelbar in Handlungen um, ohne auf die Folgen für sich und seine Umwelt zu achten“, präzisiert Dr. Andreas Allner, Arzt auf der Station für Patienten mit Frühstörungen im Bezirkskrankenhaus Haar bei München. Oft ist es nur der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt und die Patienten so unverständlich reagieren lässt.

    Borderliner nehmen emotional schwierige Situationen im Einzelnen nicht als solche wahr, sind sich über die Auswirkungen auf ihre Gefühle nicht im Klaren. „Sie merken nicht, dass sie sich über diesen oder jenen ärgern oder traurig sind, weil jemand sie verletzt hat. Sie sind sich dieser Stimmungen nicht wie Gesunde bewusst. Stattdessen fressen sie alles in sich hinein, die Spannung steigt, und an irgendeinem Punkt, der meist völlig banal ist, kippt das dann“, sagt Armbrust. Jeder Tag wird zur Qual.

    Selbstverletzung als Ventil

    Meike Graf kennt solche Situationen nur zu gut. „Da reicht die linke Socke, die nicht auffindbar ist, als Auslöser. Automatisch steigert man sich dann in ganz negative Gefühle hinein.“ Selbstverletzungen waren für sie lange ein Ventil, um Spannung abzubauen, die extremen Gefühle zu kanalisieren und wieder in Balance zu kommen.

    „Ich habe mich meist mit Rasierklingen geschnitten. Ab und zu mit Zigaretten verbrannt oder mit kochendem Wasser verbrüht.“ Auch Regine Schaubs Unterarme sind mit Narben übersät. Sie stammen von Wunden, die sie sich mit einem Taschenmesser zugefügt hat. „Wenn ich schneide, werde ich ganz ruhig. Der Schmerz kommt erst viel später.“

    Experte für sich selbst werden

    Fast 80 Prozent der Borderliner ritzen, schneiden oder brennen. Viele leiden unter Essstörungen, trinken oder nehmen Drogen. Häufig sind diese Verhaltensweisen nichts anderes als verschlüsselte Rufe nach Hilfe. „Ich habe das manchmal als Beweis dafür gebraucht, dass es mir schlecht ging, und damit jemand fragt, was los ist“, sagt Graf. „Oder auch um Leute zu strafen. Denn jeder reagiert darauf.“ Wenn keine Hilfe erreichbar ist, sondern nur noch unerträgliche existenzielle Leere herrscht, nehmen sich etwa zehn Prozent der Borderliner das Leben.

    Die tieferen Ursachen der emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung sehen Experten in auffälligen Familienstrukturen in der ersten Lebensphase. „Meist wurden die Betroffenen durch Bezugspersonen in ihrer Entwicklung sehr vernachlässigt“, sagt Allner. Auch ein aggressiv-autoritärer Erziehungsstil, Gewalt- und Missbrauchserfahrungen spielen eine Rolle. Die Betroffenen reagieren darauf mit einer „Überlebensstrategie“: Stimmungsschwankungen, Misstrauen und sozialer Rückzug sind ihre Schutzmechanismen gegen eine als feindlich erlebte Umwelt.

    Gelerntes Verhalten korrigieren

    Neue Therapiekonzepte setzen an der Korrekturdieses gelernten Fehlverhaltens an. „Aber nicht die Erfahrungen an sich sollen korrigiert werden, sondern die daraus resultierenden Haltungen auf der Verhaltens- und Denkebene“, erklärt Armbrust. Erfolgversprechend ist vor allem die so genannte dialektisch-behaviorale Therapie (DBT), ein verhaltenstherapeutisches, handlungsorientiertes Konzept, das überwiegend stationär, aber auch ambulant oder in kombinierter Form durchgeführt wird.

    „Die Patienten lernen dabei Strategien, die sie sofort umsetzen können“, sagt Armbrust. Etwa Stresstoleranztechniken zur Gefühlsregulation und Maßnahmen zur Selbstfürsorge sowie zur Beziehungssteuerung. Trainiert wird die Fähigkeit, Gefühle und Bedürfnisse wahrzunehmen, zu analysieren und gezielt zu beeinflussen. „Dazu gehören zum Beispiel solche Dinge wie bis zehn zählen, wenn man wütend ist. Oder Eiswürfel über das Handgelenk streichen, wenn man sich nicht mehr spürt“, erzählt Patientin Graf. Kalt duschen, auf eine Chilischote beißen oder gegen einen Sandsack boxen sind weitere Akutstrategien der etwa 150 Punkte umfassenden Selbsthilfeliste.

    „Am Anfang habe ich gedacht, das ist Selbstbetrug. Aber letztendlich lernt man sich durch diese Übungen sehr gut kennen. Ich merke heute schon früh, wenn ich unter Anspannung komme, und steuere dann automatisch gegen.“ Langfristig ermöglichen es die in einer Gruppe geübten Verhaltensexperimente, Zugehörigkeitsgefühle aufzubauen, Vertrauen zu erleben und die Körperwahrnehmung sowie die situative Achtsamkeit zu verbessern.

    Musterbeziehung bringt Halt
    Ein alternativer Behandlungsansatz ist die „übertragungsfokussierte Psychotherapie“ (Transfer Focussed Psychotherapy, TFP). Bei diesem Konzept steht weniger das praktische Fertigkeitentraining im Vordergrund als vielmehr die unmittelbare Arbeit an der Beziehung zwischen Therapeut und Betroffenem. Diese soll dann beispielhaft für das generelle Beziehungsverhalten des Patienten sein.

    Ziel der Behandlung ist es, mehr Halt in das Leben des Kranken zu bringen. Regine Schaub: „Ich hoffe, dass ich durch die Therapie immer stabiler werde, so dass ich auch wieder arbeiten kann. Denn ich würde mich unheimlich gern beruflich, nicht nur ehrenamtlich im Tierschutz engagieren und damit mein eigenes Geld verdienen.“

    Borderline – Störung der Persönlichkeit

    Ursprünglich wurde die psychische Erkrankung als Störung an der Grenze (engl. Borderline) zwischen Neurose und Psychose definiert. Heute heißt sie wissenschaftlich exakter „emotional-instabile Persönlichkeitsstörung“.

    Typische Kennzeichen: erhöhte zwischenmenschliche Verletzbarkeit, niedrige Frustrationstoleranz, mangelhafte Impulskontrolle, Identitätsunsicherheit, innere Leere, distanziertes soziales Verhalten und Selbstverletzungen.

  • Abnehmen: Vielleicht klappt´s mit kleinerem Teller ?

    Wie groß der Hunger ist, bestimmt das Auge. Das zumindest besagt eine Studie mit 54 Testessern, die eine Suppe vorgesetzt bekamen
    Was sie nicht wussten: Die Hälfte aß aus einem Teller, der über einen Schlauch im Boden immer wieder nachgefüllt wurde. Was den Hunger offenbar enorm beeinflusste, denn die Teilnehmer mit „Nachfülltellern“ aßen 73 Prozent mehr Suppe. Allerdings fühlten sie sich keinesfalls satter. Sie ahnten auch nicht, dass sie mehr Kalorien aufgenommen hatten. Studienleiter Brian Wansink (Universität von Illinois) folgert, dass ein einfacher Trick beim Abnehmen helfen könne: kleinere Teller verwenden, die auch bescheidene Mahlzeiten groß aussehen lassen.

  • Masern: "Pflichtimpfung wäre sinnvoll"

    Weil es an Impfschutz mangelt, ist die Krankheit wieder auf dem Vormarsch. Ein Interview mit Professor Thomas Beck

    Professor Thomas Beck leitet die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker in Eschborn. Sie erfasst Meldungen der Apotheken zur Arzneimittelqualität und -sicherheit.

    ? Herr Professor Beck, in diesem Jahr wurden bislang mehr als 1600 Masernfälle gemeldet. Wie lässt sich eine weitere Ausbreitung verhindern?
    Um epidemieartige Masernausbrüche zu vermeiden, müssen mindestens 95 Prozent der Bevölkerung geimpft sein. Die aktuelle Häufung der Fälle zeigt, dass die Durchimpfungsrate in Deutschland deutlich darunter liegt: Während noch 93 Prozent aller Kinder eine erste Impfdosis erhalten, liegt die Quote für die zweite Dosis bei 66 Prozent.

    ? Gibt es regionale Unterschiede?
    Im regionalen Vergleich schneiden die neuen Bundesländer deutlich besser ab als die alten. Und in anderen europäischen Ländern rechnen Experten bald mit einer Ausrottung der Masern.

    ? Warum begegnen viele Eltern der Impfung mit Vorbehalt?
    Leider verbreiten alternativ- therapeutische Kreise, dass die Impfung mit ungeheuren Risiken behaftet sei und Kinder die Masern auf natürlichem Weg durchmachen sollten. Dabei ist das Risiko eines Impfschadens im Verhältnis zu den Gefahren der Krankheit verschwindend gering.

    ? Sind Masern eine harmlose Kinderkrankheit?
    Im Gegenteil: Sie haben eine Komplikationsrate von 10 bis 20 Prozent. Die Viren schwächen das Immunsystem und begünstigen bakterielle Infektionen wie Lungen- und Mittelohrentzündungen. Bei jedem tausendsten Fall treten außerdem schwere Schäden an Gehirn und Rückenmark auf. Besonders gefürchtet sind Gehirnentzündungen, die in zehn Prozent der Fälle tödlich verlaufen und bei 20 Prozent der Betroffenen bleibende Schäden verursachen.

    ? Können auch Erwachsene Masern bekommen?
    Erwachsene ohne ausreichenden Impfschutz können ebenfalls erkranken. Gerade alte Menschen werden wegen ihres geschwächten Immunsystems stark in Mitleidenschaft gezogen. Deshalb sollten Impflücken unbedingt geschlossen werden.

    ? Wann sollten Kinder geimpft werden?
    Im Alter von 12 bis 15 Monaten. Eine zweite Impfung, die für den vollen Schutz notwendig ist, wird vor Vollendung des zweiten Lebensjahrs empfohlen. Um die Kinder wenig zu belasten, ist eine kombinierte Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln sinnvoll.

    ? Wie gefährdet sind ungeimpfte Säuglinge?
    Wenn die Mutter als Kind selbst Masern hatte, haben sie in den ersten Monaten einen gewissen Nestschutz. Trotzdem ist der Kontakt zu infizierten Kindern zu vermeiden. Seit 2001 sind die Masern meldepflichtig: Ärzte müssen bereits Verdachtsfälle melden. Kinder mit Verdacht auf Masern dürfen Kindergarten und Schule nicht besuchen. Äußerst bedenklich sind „Masern-Partys“, auf denen sich Kinder anstecken sollen, um die Krankheit „natürlich“ durchzumachen.

    ? Der deutsche Ärztetag forderte kürzlich, die Masernimpfung zur Pflicht zu machen. Was halten Sie davon?
    Um die Masern auszurotten, wäre das sicher eine sinnvolle Maßnahme. Auch die Pocken wurden dank konsequenter Impfkampagnen besiegt – und hier waren die Impfrisiken wesentlich größer. Wenn man der niedrigen Impfbereitschaft nicht durch Aufklärung beikommt, wird man um eine gesetzliche Pflicht nicht herumkommen.

  • Übergewicht schadet der Hüfte

    Je höher der Body-Mass-Index in jungen Jahren, desto größer die Wahrscheinlichkeit, später auf eine künstliche Hüfte angewiesen zu sein

    Das ergab eine norwegische Studie. Der Orthopäde Dr. Gunnar B. Flugsrud von der Universität Oslo verglich die Daten von 1,2 Millionen Erwachsenen, die in den Jahren 1963 bis 1975 aufgezeichnet wurden, mit denen des Registers für totalen Hüftersatz zwischen 1987 und 2003. Fazit: Wer schon mit 25 unter Übergewicht oder Fettleibigkeit leidet, verdoppelt beziehungsweise verdreifacht sein Risiko für einen Hüftschaden.

  • Rheuma

    Etwa dreimal häufiger erkranken Frauen an einer Rheumatoide Arthritis als Männer

    Die Rheumatoide Arthritis (RA) ist die häufigste entzündlich-rheumatische Erkrankung und betrifft knapp ein Prozent der Bevölkerung. Typische Symptome sind Schmerzen und Schwellungen der Fingergelenke. Im weiteren Verlauf befällt die Krankheit weitere Gelenke und mitunter auch innere Organe.

    Frauen erkranken etwa dreimal häufiger als Männer. Die Erkrankung beginnt meist im Alter von 50 bis 70 Jahren. Aber auch junge Menschen können daran erkranken: Etwa 15 Prozent vor dem 40. Lebensjahr. Unter diesen jungen Erkrankten sind Frauen viermal häufiger vertreten als Männer.

    Nach den Daten des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums leiden Frauen stärker unter Schmerzen und Funktionseinschränkungen und schätzen ihren Gesundheitszustand deutlich schlechter ein als Männer. Trotzdem werden sie zurückhaltender medikamentös behandelt – möglicherweise aus größerer Sorge vor Nebenwirkungen.

    „Medikamentenstudien bei der Behandlung der rheumatoiden Arthritis weisen leider selten die Ergebnisse von Männern und Frauen getrennt aus“, bedauert Professor Dr. med. Angela Zink vom Forschungsbereich Epidemiologie am Deutschen Rheuma-Forschungszentrum (DRFZ) in Berlin. Eine für geschlechtsspezifische Unterschiede sensible medizinische Versorgung sei jedoch geeignet, Über-, Unter- und Fehlversorgung zu verringern.

    Ursache einer Rheumatoiden Arthritis (RA) sind vermutlich fehlgeleitete Zellen des Immunsystems. Sie greifen gesunde Körperzellen in den Gelenken an und setzen so Entzündungsprozesse in Gang. Bei Frauen funktioniert das Immunsystem jedoch anders als bei Männern. Die körpereigene Abwehr reagiert auf äußere Reize bei Frauen grundsätzlich stärker.

    Einen weiteren Grund vermuten die Wissenschaftler im unterschiedlichen Hormonstatus der Geschlechter. „Es gibt eine Vielzahl von Hinweisen, dass weibliche Hormone Autoimmunkrankheiten fördern“, erläutert Privatdozentin Dr. med. Gabriela Riemekasten von der Klinik für Rheumatologie und klinische Immunologie der Berliner Charité. Weibliche Hormone (Östrogene) haben Studien zufolge einen eher ungünstigen Einfluss auf die Rheumatoide Arthritis.

    Die Wissenschaftler entdeckten jedoch auch, dass sich die Östrogene auf die Erkrankung positiv auswirken können. Frauen, die hormonell verhütet haben, erkranken zum Beispiel halb so oft an einer RA wie Frauen, die nicht die „Pille“ eingenommen haben. Auch eine Östrogentherapie in den Wechseljahren führte bei RA-Patientinnen zu weniger Schmerzen, geringeren Entzündungsparametern und einem besseren Lebensgefühl.

    Das männliche Geschlechtshormon Testosteron beeinflusst ebenfalls den Verlauf der RA. „Wahrscheinlich ist eine Autoimmunität wie bei der Rheumatoiden Arthritis jedoch nicht auf die Störung eines einzelnen Hormons, sondern auf eine Dysbalance verschiedener Hormone zurückzuführen“, erläutert die Rheumatologin Riemekasten.

    Die spezialisierte rheumatologische Versorgung erreicht dennoch Frauen später als Männer. Woher diese geschlechtsbedingten Unterschiede kommen und welche Rolle das Geschlecht der Patienten auch bei der Behandlung spielt, erörtern nun Experten im Rahmen des 34. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie.

     

  • Hilfe, Haarausfall

    Haarausfall macht auch vor Frauen nicht Halt. Welche Ursachen dahinter stecken und welche Hilfen es gibt

    Hilfe – ich bekomme eine Glatze! Fast jede Frau gerät in Panik, wenn plötzlich immer mehr Haare in der Bürste hängen bleiben, den Abfluss verstopfen oder morgens das Kopfkissen zieren. Kein Wunder, gilt eine üppige Mähne doch als wichtiges Attribut weiblicher Attraktivität. Und während Männer wie Hollywood-Star Bruce Willis auch kahlköpfig noch als Sexsymbol durchgehen, muss eine Frau mit lichtem Haar wohl eher mit verwunderten als bewundernden Blicken rechnen.

    Zwar führt Haarausfall bei Frauen nur sehr selten zum völligen Kahlschlag. Dennoch bekommt etwa jede zehnte Frau bereits vor den Wechseljahren einen dünneren Haarschopf. Bei den über 50-Jährigen ist etwa jede Fünfte betroffen. Dass wir jeden Tag einige unserer rund 100 000 Haare in der Bürste zurücklassen, ist völlig normal. Für jedes verloren gegangene Haar sitzt ja ein neues quasi schon in den Startlöchern, sprich der Haarwurzel. Grund zur Sorge besteht erst, wenn über einen längeren Zeitraum täglich mehr als 100 Haare ausfallen.

    Schuld sind Gene und Hormone
    „Wie bei Männern sind auch bei Frauen meist die Gene für den Haarverlust verantwortlich“, erklärt Professor Dr. med. Hans Wolff, Oberarzt an der Dermatologischen Klinik der Ludwig- Maximilians-Universität München. Beim so genannten androgenetischen Haarausfall reagieren die Haarwurzeln nämlich aufgrund einer erblichen Veranlagung überempfindlich auf männliche Geschlechtshormone (Androgene), die auch Frauen in geringem Maße produzieren. Dadurch schrumpfen die Haarwurzeln, die Wachstumsphase der Haare verkürzt sich. Sie fallen schneller aus, die nachwachsenden Haare werden immer dünner und kürzer. Am Ende ist die Haarwurzel so verkümmert, dass sie kein neues Haar mehr produziert. Verstärken kann sich der Haarausfall, wenn in den Wechseljahren auch noch die Produktion des weiblichen Geschlechtshormons Östrogen nachlässt. Anders als Männer bekommen Frauen aber nur selten „Geheimratsecken“, ihre Haare lichten sich vor allem im Scheitelbereich.

    Neben erblichen Faktoren kann es auch noch andere Gründe für verstärkten Haarausfall geben. „Hinter einem diffusen Haarausfall, bei dem die Haardichte gleichmäßig am ganzen Kopf abnimmt, können beispielsweise eine gestörte Schilddrüsenfunktion oder ein Eisenmangel stecken“, sagt Dermatologe Wolff. „Auch bestimmte Medikamente, beispielsweise der Blutgerinnungshemmer Heparin, kommen als Auslöser in Betracht.“ Infektionen oder schwere Erkrankungen können noch Wochen später zu Haarausfall führen, ebenso hormonelle Umstellungen kurz nach der Geburt oder durch Absetzen oder Wechsel der Pille. Und auch Stress, einseitige Diäten und Hungerkuren können dafür sorgen, dass die Haare dünner werden. In der Regel vergehen zwischen Auslöser und Ausfallen der Haare zwei bis vier Monate. So können etwa intensive Sonnenbäder im Sommer schuld sein, wenn im Herbst vermehrt Haare ausfallen.

    „Diabetiker haben übrigens nicht häufiger Haarausfall als Nichtdiabetiker“, so Prof. Wolff. „Lediglich der kreisrunde Haarausfall, bei dem sich innerhalb kurzer Zeit kahle Stellen auf dem Kopf bilden, ist bei Typ-1-Diabetikern etwas häufiger. Auslöser dieser ‚Alopecia areata‘ ist, genau wie beim Typ-1-Diabetes, eine Fehlsteuerung des Immunsystems.“

    Diagnose beim Hautarzt
    Erster Ansprechpartner bei Haarproblemen ist der Hautarzt. Viele Hautkliniken, aber auch manche Praxen bieten eigene Haarsprechstunden an. Um den Ursachen des Haarausfalls auf die Schliche zu kommen, genügen meist eine Befragung und die Inspektion der Kopfhaut. Im Zweifelsfall sind weitere Untersuchungen nötig, etwa ein Zupftest, bei dem der Arzt an verschiedenen Stellen der Kopfhaut prüft, wieviele Haare sich durch leichtes Zupfen entfernen lassen. „Sinnvoll ist auf jeden Fall ein Überprüfen der Eisen- und Schilddrüsenwerte, manchmal auch eine Bestimmung des Hormonstatus beim Frauenarzt“, rät Prof. Wolff.

    Rettung für die Haare
    Der diffuse Haarausfall bessert sich meist, wenn die Ursache beseitigt wird. Beim androgenetischen Haarausfall kann eine Lösung mit dem Wirkstoff Minoxidil helfen, die zweimal täglich auf die Kopfhaut aufgetragen wird. Minoxidil gibt es, für Frauen und Männer in unterschiedlichen Dosierungen, rezeptfrei in der Apotheke. Die Behandlung sollte dauerhaft erfolgen, wird aber von den Kassen nicht bezahlt. Ein Erfolg zeigt sich frühestens nach drei Monaten. Auch ein antiandrogen wirkendes Verhütungsmittel kann den Haarausfall bremsen. Hautarzt Wolff rät jedoch ab, die Pille nur aus diesem Grund zu schlucken. Östrogenhaltigen Haarwässern wird ebenfalls ein positiver Effekt nachgesagt. „Die Wirksamkeit konnte aber in wissenschaftlichen Studien bislang nicht überzeugend belegt werden“, merkt Wolff an. Doch auch wenn die Mähne nicht mehr ganz so üppig daherkommt – eine gute Pflege lohnt sich immer. Was Sie Ihren Haaren alles Gutes tun können, erfahren Sie auf der folgenden Seite.

    Tipps für die Pflege

    -Verwenden Sie zum Waschen ein mildes Shampoo. Häufiges Waschen verstärkt Haarausfall nicht

    -Vermeiden Sie heißes Wasser und heißes Föhnen. Am besten: Haare an der Luft trocknen lassen

    -Benutzen Sie Bürsten und Kämme ohne scharfe Kanten und nur haarschonende Gummibänder

    -Schützen Sie Ihre Haare mit einem Hut oder Tuch vor der Sonne, im Meer oder in chloriertem Wasser mit einer Badekappe

    -Verzichten Sie vor allem bei feinem oder trockenem Haar auf Färben, Bleichen oder Dauerwellen

    -Gönnen Sie Ihrer Kopfhaut regelmäßig eine sanfte Massage – das entspannt und bessert die Stimmung

     

  • Zähneknirschen

    Ursache ist meistens Stress. Hält er lange an, droht dem Gebiss Schaden

    Wenn jemand ständig mit Muskelkater im Kieferbereich erwacht, liegt der Verdacht nahe: Zähneknirschen könnte der Auslöser sein. Oft ist der Zusammenhang aber nicht so offensichtlich. Viele Betroffene haben beim Aufwachen Kopfweh, plagen sich mit einem steifen Nacken oder Druck in den Ohren und vermuten dafür alle möglichen Ursachen – nur nicht ihr Verhalten im Schlaf.

    Warum auch? Meist merken sie nichts vom nächtlichen Mahlen ihrer Kiefer. Erst wenn der Zahnarzt Abriebspuren an den Zähnen feststellt, erfahren sie, worauf ihre Beschwerden zurückgehen. Die Schäden können Folgen haben. „Die Zähne sind temperaturempfindlicher und anfälliger für Karies“, berichtet Privatdozentin Dr. Anne Wolowski vom Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Universität Münster.

    Veränderter Biss
    „Durch die Abnutzung verändert sich außerdem der Biss, was sich negativ auf die Kaumuskeln und Kiefergelenke auswirkt“, erklärt die zahnärztliche Leiterin der Ambulanz für Psychosomatik an der Poliklinik für zahnärztliche Prothetik weiter. In extremen Fällen verspannen sich die Kiefermuskeln so stark, dass sich Patienten Zähne ganz wegscheuern oder einzelne Beißer unter dem Druck abbrechen. „Deshalb sollte die Behandlung einsetzen, ehe die Zahnsubstanz angegriffen wird“, betont Wolowski.

    Kritisch wird es, wenn die Zähne chronisch aufeinanderreiben. „Die Ursachen sind noch nicht genügend erforscht“, sagt die Expertin. Es gilt aber als sicher, dass Stress im Spiel ist, wenn jemand ständig die Kiefer zusammenpresst.

    Zweistufige Behandlung
    Patienten sollten daher auf eine zweistufige Behandlung setzen: Zum einen wird ihnen der Zahnarzt eine Aufbissschiene anpassen. Nachts getragen, hält sie die Zähne auf Abstand und bewahrt sie vor weiterem Schaden.

    Zusätzlich sollten Betroffene ihre psychische Belastung verringern. Die Schiene vermindert das Knirschen nämlich nur bei einem Teil der Patienten. Andere zerkauen Einsatz um Einsatz und plagen sich weiter mit schmerzhaften Symptomen. „Autogenes Training, Yoga oder andere Entspannungstechniken können sich lohnen“, erläutert Wolowski. Bei starken inneren Konflikten hilft ein Psychotherapeut.

    Muskeln entkrampfen
    Immer mehr Ärzte und Therapeuten behandeln Zähneknirscher auch mit der Biofeedback-Methode. Dazu klebt sich der Patient zwei bis vier Wochen lang vor dem Zubettgehen kleine Elektroden auf die Gesichtshaut. Sie messen die Anspannung der Kaumuskeln während des Schlafs, lösen Alarm aus und wecken den Betroffenen, wenn der Wert eine kritische Marke überschreitet.

    „Der Patient erhält damit eine direkte Rückmeldung über sein Knirschen, das er sonst nicht wahrnehmen würde“, erklärt Dr. Jörg Heuser, Leitender Psychologe der Psychosomatischen Klinik Roseneck am Chiemsee. So lernen Betroffene lockerzulassen. „Einige Studien deuten darauf hin, dass Biofeedback das Knirschen ähnlich gut eindämmt wie eine Beißschiene“, erläutert Heuser. „Aber über den Langzeit erfolg gibt es bisher kaum Untersuchungen.“ Oft hilft nur, auszuprobieren, welche Behandlung die beste ist.

  • Dicke zur Kasse bitten?

    Ernährungsmediziner Hans Hauner über Eigenverantwortung bei Übergewicht

    Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Ihnen stark Übergewichtige begegnen?
    Es macht mich traurig. Dicke Menschen haben eine viel schlechtere Lebensqualität, sind häufiger krank und sterben früher. Und es macht mich ärgerlich. Die Epidemie Übergewicht bedroht unser Gesundheitssystem, und unsere aufgeklärte Gesellschaft tut nichts dagegen.

    Die Gesellschaft? Ist Übergewicht nicht ein persönliches Problem?
    Viele sind dick, weil sie zu viel und falsch essen. Die Werbeindustrie verführt uns zu Fertiggerichten und Fast Food. Süßriegel werden uns als Frühstückchen verkauft. Und wir, die Gesellschaft, lassen das zu. Den Anreizen zu widerstehen schafft nicht jeder, vor allem Kinder nicht.

    Was halten Sie von dem Verbot, am Schulkiosk Süßigkeiten zu verkaufen?
    Verbote sind sinnlos. Stattdessen muss sich das Angebot am Kiosk und in den Kantinen verändern: Pellkartoffeln statt Pommes frittes, Vollkornsemmeln statt Käsecroissants, Obst statt Schokoriegel. Gesunde Ernährung muss schmecken, sonst wird sie nicht angenommen.

    Politiker fordern höhere Krankenkassenbeiträge für Übergewichtige...
    Übergewichtige verursachen höhere Kosten und sollen selbst dafür aufkommen – die Überlegung ist im Prinzip richtig. Die gleiche Forderung gibt es ja auch für Raucher oder Extremsportler. Aber gerecht wäre das auch nicht. Denn Übergewicht ist nicht nur Folge falschen Essverhaltens, sondern auch durch die Gene bestimmt.

    Können die „guten Futterverwerter“ also nichts dafür, dass sie zu dick sind?
    Sie haben es schwerer, ihr Gewicht zu halten als schlechte Futterverwerter. Wer aber weiß, dass er genetisch belastet ist, muss seinen Lebensstil anpassen, gesünder essen, sich mehr bewegen.

    Warum fällt das den meisten so schwer?
    Viele unterliegen einem Denkfehler: Sie nehmen über Monate zehn Kilo ab, essen dann weiter wie gehabt. Sie vergessen, dass sie jetzt täglich etwa 400 kcal weniger brauchen. Auf Dauer sind solche Gewichtsabnahmen oft nur mit langfristiger professioneller Unterstützung erfolgreich.

    Langfristig heißt lebenslänglich?
    Ja. Langfristig gesund essen ist die große Herausforderung in unserer Überflussgesellschaft. Prävention von Übergewicht ist die einzige Chance, dass unser Gesundheitssystem bezahlbar bleibt.

    Übergewicht und Diabetes – Eine teure Allianz
    Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer forderte unlängst: Wer ein ungesundes Leben führt, sollte dafür auch verstärkt zur Verantwortung gezogen werden. Besonders im Auge hat Böhmer, selbst lange Jahre als Arzt tätig, die Übergewichtigen – also die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes war 2005 im Durchschnitt jeder zweite Deutsche übergewichtig: 58 Prozent der Männer und 42 Prozent der Frauen. Übergewicht gilt als wichtigster Risikofaktor für Typ- 2-Diabetes, der einschließlich seiner Folgeschäden – wie beispielsweise Herzinfarkt, Schlaganfall oder Nierenversagen – die teuerste chronische Erkrankung überhaupt ist und jährlich Kosten von rund 25 Milliarden Euro verursacht.

     

  • Krank durch Obst

    Hinter Bauchkrämpfen, Blähungen und Durchfall stecken manchmal Äpfel, Birnen und Fruchtsäfte

    Der Test beim Arzt erinnert an eine Alkoholkontrolle der Polizei: Der Kandidat muss in ein Röhrchen pusten. Ermittelt wird allerdings nicht, ob er sich nach dem übermäßigen Genuss von Bier, Wein oder Schnaps noch ans Steuer gesetzt hat, sondern ob er zu viel Obst oder Fruchtsaft intus hat. Genauer gesagt: ob sein Dünndarm den Fruchtzucker, der in gesunden Früchten und Säften steckt, vollständig abbauen kann.

    Warum dieser Test? „Viele Menschen leiden, ohne es zu wissen, an einer Fruchtzucker-Unverträglichkeit“, sagt Professor Thomas Frieling, Direktor der Medizinischen Klinik II am Klinikum Krefeld. „Wie Reizmagen, Reizdarm und Milchzucker-Unverträglichkeit zählt sie zu den funktionellen Erkrankungen.“ Die häufigsten Symptome sind Bauchkrämpfe, Blähungen und Durchfall.

    Andere Krankheiten ausschließen
    Zunächst einmal, so der Internist und Neurogastroenterologe weiter, muss der Arzt aber per Magen-Darm-Spiegelung, Ultraschalluntersuchung und Röntgendiagnose sicherstellen, dass Polypen, Magengeschwüre und Entzündungen als Auslöser ausscheiden. Erst dann kann er davon ausgehen, dass der Patient mit einiger Wahrscheinlichkeit an einer Fruchtzucker-Unverträglichkeit leidet.

    „Im Dünndarm werden die Zuckerstoffe gespalten, die wir mit der Nahrung zu uns genommen haben“, erläutert Frieling. „Bestimmte Enzyme in der Darmschleimhaut, die Disaccharidasen, machen aus jedem Molekül zwei kleinere.“ Nur so kann die Schleim haut des Dünndarms die Zuckerbestandteile Glukose und Fruktose aufnehmen.

    Bakterien „fressen“ Fruchtzucker

    Wenn der dafür zuständige Transporter namens GLUT 5 aus genetischen oder anderen Gründen schlecht oder gar nicht arbeitet, gelangt die Fruktose in den Dickdarm und wird von den dort lebenden Bakterien „gefressen“, sprich vergoren. Die dabei entstehenden Gase und Flüssigkeiten verursachen Blähungen und Durchfall.

    Eines dieser Gase, der Wasserstoff, wird durch die Darmschleimhaut aufgenommen, über das Blut zur Lunge befördert und ausgeatmet. Das macht sich der Atemtest zunutze: Drei bis vier Stunden lang wird regelmäßig der Wasserstoffgehalt in der Ausatemluft des Patienten gemessen – erst im nüchternen Zustand, nach der Einnahme von Fruchtzucker alle zehn Minuten. Frieling merkt dazu an: „Die Fachgesellschaft empfiehlt bei dem Atemtest eine Gabe von 50 Gramm Fruktose. Das erscheint uns zu viel, weil bei dieser Menge auch Personen ohne Fruchtzucker-Unverträglichkeit Probleme bekommen können. Bei uns am Klinikum läuft gerade eine Studie, in der wir bisher mit 25 Gramm beste Erfahrungen machen.“

    Kein Grund zur Panik

    Das Testergebnis sei aber nur dann als positiv anzusehen, betont der Experte, wenn erhöhte Wasserstoffwerte gemessen werden und der Patient zudem über die bekannten Beschwerden klagt. Die Kosten für den Test werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

    Auch wenn die Diagnose Fruktose-Unverträglichkeit laute, versichert Frieling, bestehe kein Grund zur Panik. Zum einen dürfe die Erkrankung nicht mit der äußerst seltenen erblichen Fruktose-Intoleranz verwechselt werden. Diese führt schon bei Säuglingen zu Unterzuckerung sowie schweren Leber- und Nierenschäden, wenn sie nicht ausschließlich fruktosefreie Nahrung bekommen. Zum anderen müsse bei einer Unverträglichkeit niemand auf fruktosehaltige Lebensmittel verzichten, wenn er die folgenden Tipps beachtet.

    * Die Aufnahme von Fruktose verbessern. Dies gelingt durch gleichzeitigen Verzehr von Glukose (Traubenzucker).
    * Die Aufnahme von Fruktose verringern. Weil Haushaltszucker (Saccharose) in einem ausgewogenen Verhältnis aus Glukose und Fruktose bestehen, können auch Patienten mit Fruchtzucker-Unverträglichkeit diese Zuckersorten gut aufnehmen.
    * Die Zufuhr von Sorbitol vermeiden. Dieser Zuckeraustauschstoff wird in Fruktose umgewandelt. Er kann in kalorienreduzierten Bonbons und Kaugummis stecken, in bestimmten Obstsorten, besonders in Trockenfrüchten und Säften, in Diabetiker-Süßigkeiten – deshalb bekommen „Zuckerkranke“ oft Darmprobleme –, in einigen Medikamenten, in Lebensmitteln als Zusatzstoff E 420 oder E 422 und im Bier. Womit wir wieder bei der Alkoholkontrolle wären.

    Gute Früchte bei Fruchtzucker-Unverträglichkeit

    Lebensmittel, die ähnlich viel oder mehr Glukose als Fruktose enthalten, sind für Patienten mit Fruchtzucker-Unverträglichkeit bekömmlicher.

    Einige Beispiele:

    100g Ananas enthalten 2,4g Fruktose und 2,1g Glukose. 100g Banane enthalten je 3,8g Fruktose und Glukose. 100g Orange enthalten 2,5g Glukose und 2,2g Fruktose. 100g Sauerkirsche enthalten nur 0,3g Fruktose, aber 5,2g Glukose.

     

  • Keine Arznei in Kinderhand

    Apotheker stehen vor einem Problem, wenn Kinder für Erwachsene ein Rezept einlösen wollen

    Zwar verbietet der Gesetzgeber nicht die Abgabe verschreibungspflichtiger Arzneimittel an Kinder und Jugendliche. Notwendige Erläuterungen zur Einnahme oder zu Nebenwirkungen sind für Kinder jedoch in der Regel unverständlich oder werden dem Patienten möglicherweise nicht weitergegeben. Außerdem besteht die Gefahr, dass der Sprössling die Arzneien aus Neugier probiert.

    Bettlägerige oder Gehbehinderte sollten deshalb Kinder durch Erwachsene begleiten lassen oder den Bringdienst ihrer Apotheke beauftragen.

  • Gute Nacht, wacher Tag

    Was den Baldrian zu einem wirksamen und gut verträglichen Schlaf- und Beruhigungsmittel macht

    Katzen lieben seinen eigentümlichen Geruch – ein Umstand, den mancher Tierhalter nutzt, um seinem eigenwilligen Haustiger das verwaiste Körbchen oder den verhassten Kratzbaum schmackhaft zu machen. Doch während Baldrian Katzen anregt und euphorisiert, wirkt die Heilpflanze mit dem lateinischen Namen Valeriana officinalis beim Menschen beruhigend und ausgleichend. Bereits im Altertum setzten Ärzte die getrockneten Wurzeln der in den Waldgebieten Europas beheimateten Staude zur Behandlung von Nervosität und Schlafstörungen ein.

    Wirkung nach einigen Wochen
    In unserer schnelllebigen und stressreichen Zeit sind die Qualitäten der bis zu einen Meter hohen Pflanze mit den doldenartigen, rosa bis weißlichen Blüten und den gefiederten Blättern mehr denn je gefragt.

    „Baldrian-Präparate sind keine Mittel, die den Schlaf erzwingen“, erklärt Professor Volker Faust vom Zentrum für Psychiatrie „Die Weissenau“ der Universität Ulm. „Sie versetzen vielmehr in einen entspannten Zustand und erhöhen damit die natürliche Einschlafbereitschaft.“ Längerfristig verkürzt Baldrian die Einschlafzeit und verbessert die Schlafqualität und somit auch das Allgemeinbefinden.

    Allerdings entfalten Baldrian-Präparate ihre beruhigende Wirkung nicht sofort nach der ersten Einnahme. „Sie greifen erst im Lauf einer mehrwöchigen Behandlung“, betont Psychiater Faust, „während deren sie das seelisch-körperliche Gesamtbefinden stabilisieren. In akuten oder Notsituationen sowie bei schweren Unruhe- und Erregungszuständen ist Baldrian deshalb ungeeignet.“ Wichtig seien außerdem ein hoher Wirkstoffgehalt und eine ausreichende Dosierung: „Früher wurde Baldrian oft erheblich unterdosiert.“

    Richtig eingesetzt, hat Baldrian gegenüber synthetischen Schlaf- und Beruhigungsmitteln mehrere Vorteile: Diese Präparate wirken zwar schnell und zuverlässig, beeinträchtigen aber oft noch am nächsten Tag das Reaktionsvermögen und die Fahrtüchtigkeit. Hinzu kommt eine erhöhte Sturzgefahr durch unsicheren Gang. Zudem bergen vor allem die so genannten Benzodiazepine ein erhebliches Abhängigkeits- und Suchtpotenzial.

    Fahrtüchtigkeit bleibt erhalten
    „Baldrian macht nach den bisherigen Erkenntnissen weder seelisch noch körperlich abhängig“, berichtet Faust. Nur selten treten Neben- oder Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln auf. Und laut einer Untersuchung der Gesellschaft für Interdisziplinäre Medizinische Forschung in Köln hat selbst die Langzeiteinnahme von Baldrian keinen Einfluss auf die Reaktionszeit, das Konzentrationsvermögen und die Fahrtüchtigkeit.

    Wirksame Inhaltstoffe der Baldrianwurzel
    Die Wirksamkeit der Heilpflanze ist wissenschaftlich bestätigt: In einer Studie am Evangelischen Krankenhaus Elisabethenstift in Darmstadt mit 121 Patienten, die an nicht organisch bedingten Schlafstörungen litten, verbesserte hoch dosierter Baldrianwurzel-Extrakt die Schlafqualität und das Gesamtbefinden deutlich stärker als ein wirkstofffreies Scheinmedikament.

    In einer weiteren Studie mit 75 Patienten, durchgeführt unter Leitung des Mediziners Dr. Martin Dorn aus Elz, erwies sich die Wirkung von ausreichend dosiertem Baldrian-Extrakt als der des synthetischen Arzneistoffs Oxazepam ebenbürtig.

    Allerdings ist noch immer unklar, wie die beruhigende Wirkung zustande kommt und welche Inhaltsstoffe – ätherische Öle, Valepotriate, Alkaloide und Pflanzensäuren – dafür verantwortlich sind. Früher schrieben Forscher die Wirkung in erster Linie den Valepotriaten zu. Diese instabilen Verbindungen sind aber in apothekenüblichem Baldrian kaum enthalten.

    Gegenspieler des Koffeins
    Bei der Suche nach weiteren schlaffördernden Substanzen im Baldrian wurde die Arbeitsgruppe von Professorin Christa Müller vom Institut für Pharmazeutische Chemie der Universität Bonn fündig. Die Forscher entdeckten ein Pflanzenhormon, ein sogenanntes Lignan, das an jenen Bindungsstellen im Gehirn angreift, die den Schlaf-wach-Rhythmus steuern, und so eine müde machende Kettenreaktion in Gang setzt. Der Muntermacher Koffein wirkt dagegen schlafverhindernd, indem er diese Andockstellen blockiert.

    Noch sind viele Fragen offen. „Derzeit glaubt man, dass nicht ein einzelner Inhaltsstoff des Baldrians, sondern ein Stoffgemisch den Therapieerfolg begründet“, erklärt Volker Faust. Zumindest ein Teil der Wirkung kommt offenbar über den Geruchssinn zustande, was die Wirksamkeit baldrianhaltiger Beruhigungstees und Badezusätze erklären könnte.

    Durch die Kombination mit anderen beruhigenden Heilpflanzen wie Melisse, Hopfen, Passionsblume und Lavendel lässt sich die schlaffördernde Wirkung des Baldrians erfahrungsgemäß verstärken.

    Die Grenzen der Selbstbehandlung
    „Vor allem bei chronischen Unruhe-, Nervositäts- und Spannungszuständen“, warnt Psychiater Faust, „sollte man aber auf eine Selbstbehandlung verzichten und einen Arzt aufsuchen.“ Um die Kraft der Natur richtig zu nutzen, müsse man ihre Grenzen respektieren.

  • Blutdrucksenkung

    Blutdrucksenkende Mittel: Bei Einnahme auf die Tageszeit achten

    Morgens wirken manche Blutdrucksenker anders auf den Organismus als abends

    Medikamente gegen zu hohen Blutdruck, so genannte Antihypertensiva, wirken morgens anders als abends. Insbesondere die häufig verschriebenen ACE-Hemmer – sie verhindern die Bildung eines stark Blutgefäß verengenden Hormons – sollten bei Patienten mit noch vorhandenem nächtlichen Blutdruckabfall in der Regel morgens gegeben werden.

    „Nehmen Patienten diese Mittel abends, kann es zu einem verstärkten nächtlichen Blutdruckabfall kommen, der gefährlich sein kann“, warnt Professor Dr. med. Björn Lemmer vom Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Heidelberg im Vorfeld des 30. Wissenschaftlichen Kongress der Deutschen Hochdruckliga „Hypertonie 2006“ in München. Der Blutdruck folgt bei den meisten Menschen einem natürlichen biologischen Rhythmus. Er steigt morgens rasch an, hat meist abends noch einen zweiten, kleineren Gipfel und fällt nachts deutlich ab ("Dipper").

    Bei nächtlichen Gipfeln Kalziumantagonisten abends nehmen

    Auch bei den meisten Hochdruckpatienten gibt es diese rhythmischen Schwankungen; bei einigen fällt der Blutdruck nachts jedoch nicht, sondern bleibt konstant hoch oder steigt sogar noch ("Non-Dipper"). Diese Patienten haben ein stark erhöhtes Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko. Neue Untersuchungen haben ergeben, dass sie bestimmte Kalziumkanalblocker – Medikamente (so genannte Kalziumantagonisten), die die Gefäße erweitern und damit den Blutdruck senken – abends nehmen sollten, weil sich dadurch der nächtliche Blutdruck normalisierte. „Dies ist in Anbetracht der erhöhten Sterblichkeit an Herzkreislauf-Erkrankungen bei diesen Patienten von außerordentlicher Bedeutung“, erklärt Lemmer.

    Eine ähnliche normalisierende Wirkung haben offensichtlich auch Diuretika, die Patienten häufig auch als „Wassertabletten“ bekannt sind. Sie entlasten Blutgefäße und Nieren von überschüssigem Salz und Wasser. Für andere, häufig eingesetzte Hochdruck-Medikamente wie beispielsweise Beta-Blocker und AT1-Rezeptor-Antagonisten, stehen entsprechende Studienergebnisse jedoch noch aus. Professor Lemmer: „Die Untersuchungen zeigen, dass der biologische Rhythmus des Blutdrucks und die unterschiedlichen tageszeitabhängigen Wirkungen der Medikamente in die Therapie unbedingt einbezogen werden sollten. Dadurch können Nebenwirkungen vermieden und bessere Behandlungsergebnisse erzielt werden.“

  • Vorsicht vor gefälschten Medikamenten aus dem Internet



    Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor gefälschten Medikamenten, die illegal über das Internet vertrieben werden.
    Nach einer Schätzung der WHO sind etwa die Hälfte der im Internet illegal angebotenen Medikamente gefälscht. Die Arzneimittel enthalten zum Teil gar keine oder aber giftige Wirkstoffe.
    Auftakttagung der neuen internationalen Anti- Fälschungs-Arbeitsgruppe für Medizinprodukte IMPACT (International Medical Products Anti-Counterfeiting Taskforce)

  • Macht der Herbst depressiv?

    Die ersten Blätter fallen, die Tage werden spürbar kürzer. Viele Menschen stimmt der beginnende Herbst melancholisch. Ein Grund zur Sorge? Professor Dr. Ulrich Hegerl hat die Antwort

    Prof. Dr. Ulrich Hegerl ist Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie Sprecher des Kompetenznetzes Depression, Suizidalität.

    Stimmt es, dass besonders viele Menschen im Herbst und Winter an einer Depression erkranken?
    Nein, die so genannte „Saisonal Abhängige Depression“ ist eine eher seltene Unterform der Depression. Nur circa zehn Prozent aller Depressionen in den Herbst- und Wintermonaten entfallen darauf. Über das Jahr gesehen gibt es nur geringfügige Schwankungen, was das Auftreten von Depressionen betrifft.

    Aber es stimmt doch, dass viele von uns sich mit Einsetzen des Herbstes schlapper und lustloser fühlen?

    Ja, sicherlich spüren sehr viele Menschen eine vorübergehende melancholische Stimmung, wenn die ersten Blätter fallen und das Leben sich mehr in sich selbst zurückzieht. Dies gehört jedoch zum Leben dazu und hat nichts mit einer Depression im medizinischen Sinne zu tun.

    Unterscheidet sich die Herbst-Winter-Depression außer dem Zeitpunkt ihres Auftretens von anderen Formen der Depression?
    Im Gegensatz zur jahreszeitlich unabhängigen Depression leiden Betroffene nicht unter Schlafstörungen, sondern haben ein erhöhtes Schlafbedürfnis. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist der Appetit. Depressive Patienten leiden unter Appetitmangel und nehmen häufig ab, Menschen, die an einer Saisonal Abhängigen Depression leiden, haben dagegen mehr Hunger, speziell auf kohlenhydratreiche Lebensmittel wie Süßigkeiten. Von einer Saisonal Abhängigen Depression spricht man übrigens erst, wenn Sie mindestens zwei Jahre hintereinander in der entsprechenden Jahreszeit aufgetreten ist.

    Wieso entsteht diese psychische Erkrankung gerade in den dunklen Monaten?

    Verantwortlich für die Saisonal Abhängige Depression könnte die reduzierte Sonneneinstrahlung sein, denn das Sonnenlicht beeinflusst über die Netzhaut im Auge bestimmte Botenstoffe im Gehirn. Diese wirken sich ihrerseits auf Botenstoffe wie Serotonin aus, das mit einer Depression in Verbindung gebracht wird. Licht wirkt auch auf die Produktion des körpereigenen Hormons Melantonin, das unter anderem den Schlaf- und Wachrhythmus des Körpers beeinflusst. Während der dunkleren Jahreshälfte wird vermehrt Melatonin ausgeschüttet, was dazu führen könnte, dass manche Menschen sich zunehmend schlapp und schläfrig fühlen. – Eindeutig belegt sind diese Annahmen jedoch bisher nicht.

    Wie wird eine Herbst-Winter-Depression behandelt?
    Bei dieser speziellen Form der Depression ist häufig eine Lichttherapie hilfreich. Dafür benötigt man nicht unbedingt spezielle Lichtlampen, ein täglicher ausgedehnter Spaziergang im Freien ist ausreichend. Selbst an trüben Tagen entspricht der Lichteinfall draußen in etwa dem einer Therapielampe. Zusätzlicher Vorteil ist die Bewegung an der frischen Luft. Bei schweren Saisonal Abhängigen Depressionen reicht eine Lichttherapie allerdings in der Regel nicht aus. Zusätzlich ist dann meist eine medikamentöse sowie evtl. eine psychotherapeutische Behandlung notwendig.

    Wie erkenne ich, ob ich an einer Depression leide?

    Menschen, die an einer behandlungsbedürftigen Depression leiden – egal ob saisonal bedingt oder nicht – zeigen bestimmte Symptome mindestens über einen Zeitraum von zwei Wochen. Das sind nicht nur psychische Symptome wie Antriebslosigkeit, Freud- und Interesselosigkeit oder eine gedrückte Stimmung, sondern können auch körperliche Störungen sein. So können zum Beispiel Rücken- oder Magenschmerzen auf eine depressive Erkrankung hinweisen. – Wer sich nicht sicher ist, ob er an einer (Saisonal Abhängigen) Depression leidet, kann sich unter www.kompetenznetz-depression.de näher informieren. (GesundheitPro ist nicht verantwortlich und übernimmt keine Haftung für die Inhalte externer Internetseiten.

    Können Sie Menschen, die keine Depression haben, aber im Herbst und Winter schlechter drauf sind, Tipps gegen, wie sie der miesen Stimmung vorbeugen können?
    Gut ist, auch im Winter regelmäßig Sport zu treiben, idealerweise an der frischen Luft. Wichtig ist auch, soziale Kontakte zu pflegen und sich nicht zu sehr zurückzuziehen. Einfach ein bisschen auf sich achten, angenehme Dinge machen und sich bewusst Gutes tun sowie nicht zu lange zu schlafen, das ist sicher ein probates „Rezept“, um gut gelaunt durch die dunklere Jahreshälfte zu kommen.

  • Fahrverbot bei Müdigkeit

    Wer trotz extremer Schläfrigkeit am Steuer sitzt, riskiert seinen Führerschein
    Jeder vierte tödlich endende Verkehrsunfall wird durch eine Wachsamkeitsstörung (Vigilanz) verursacht. Besonders gefährdet sind Diabetiker mit Schlafapnoe. Dabei setzt der Atem während des Schlafens phasenweise aus, tagsüber neigen die Betroffenen häufig zu extremer Schläfrigkeit.

    Seit Ende 2005 droht bei gestörter Vigilanz der Führerscheinentzug.
    Es ist ratsam sich bei Verdacht von einem Schlafmediziner untersuchen und gegebenenfalls behandeln zu lassen. Wer die Gefährdung für sich und andere ignoriert, handelt grob fahrlässig.

  • Asthma-Medikamente: Deutliche Mahnung

    Pharmahersteller müssen künftig klarer vor der falschen Anwendung bestimmter Asthmamittel warnen. Wer sich nicht an diesen Rat hält, geht ein hohes Risiko ein
    Die Suche nach Harmonie kann ganz schön anstrengend sein. Und langwierig. Drei Jahre brauchten die Experten der Europäischen Arzneimittelagentur, um sich auf eine Warnung zu einigen, die ihre US-amerikanischen Kollegen schon im August 2003 verfügt hatten. Künftig wird auch in deutschen Beipackzetteln bestimmter Asthmamittel auf Risiken hingewiesen, die vor allem bei falscher Anwendung drohen.
    Die Mahnung gilt Asthmatikern, die Medikamente mit den Wirkstoffen Salmeterol oder Formeterol inhalieren. Diese Substanzen zählen zu den lang wirksamen „Beta-Agonisten“, die verengte Atemwege erweitern. Sie eignen sich nicht für akute Asthmaanfälle, sondern entfalten ihre Wirkung langfristig. Empfohlen werden sie Patienten mit mittelschwerem oder schwerem Asthma als zusätzliche Arznei, wenn sich die Erkrankung nicht allein mit einem ebenfalls zu inhalierenden Mittel aus der Gruppe kortisonähnlicher Substanzen (Kortikoide) beherrschen lässt.
    Seit langem warnen Experten ausdrücklich davor, bei dieser Empfehlung die Reihenfolge zu wechseln. Zunächst Kortikoid und erst dann, falls nötig, die Kombination – so steht es in sämtlichen Leitlinien.


    Nicht abreißende Zweifel
    Seit erste Vertreter der „Beta-Agonisten“ vor mehr als 50 Jahren zugelassen wurden, reißen die Zweifel an ihrer Sicherheit nicht ab. Berichte über unerklärliche Todesfälle gaben dem Verdacht ebenso Nahrung wie eine Reihe klinischer Untersuchungen. Daher wollte es die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA genau wissen. Sie verlangte von dem Arzneimittelhersteller GlaxoSmithKline, eine große Studie zu starten. Die 1996 begonnene Erhebung sollte am Ende 60 000 Patienten einschließen.
    2003 brach die Firma den Versuch vorzeitig ab. Es hatte sich herausgestellt, dass unter Salmeterol-Anwendern gut viermal so viele Todesfälle aufgrund von Asthma auftraten wie unter Patienten, die nur ein unwirksames Placebo erhalten hatten. Die FDA erließ daher einen Warnhinweis, den sie später auf andere Wirkstoffe derselben Klasse ausweitete.

    Betroffen vor allem Afroamerikaner
    „Wir haben intensiv erörtert, welche Bedeutung das Ergebnis für uns in Deutschland und Europa hat“, berichtet Dr. Ulrich Hagemann, Abteilungsleiter „Pharmakovigilanz“ beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte und Mitglied einer Expertengruppe der Europäischen Arzneimittelagentur.
    Zwei Ungereimtheiten der Studie beherrschten die Gespräche: Das erschreckende Ergebnis betraf vor allem Patienten mit schwarzer Hautfarbe; und gut die Hälfte der Teilnehmer hatte nicht die empfohlene Kombination inhaliert, sondern Salmeterol allein.

    Studienergebnisse auch für Deutschland wichtig

    „Das Ergebnis ist keineswegs nur für Afroamerikaner relevant“, mahnt Professor Dieter Ukena, Chefarzt der Klinik für Pneumologie am Klinikum Bremen-Ost. Warum Erstickungsattacken und Todesfälle bei Studienteilnehmern weißer Hautfarbe seltener auftraten , kann die Untersuchung nicht beantworten, sagt Ukena, Mitglied der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft. „Es könnte an genetischen Faktoren liegen oder daran, dass die Afroamerikaner von vornherein schwereres Asthma hatten.“
    Für wichtiger hält Ukena den zweiten Einwand: Mehr als die Hälfte der Patienten beschränkte sich auf Salmeterol.
    Auch für Professor Heinrich Worth, Chefarzt der Medizinischen Klinik 1 am Klinikum Fürth und Vorsitzender der Deutschen Atemwegsliga, ist dies die Achillesferse der Untersuchung: „Die wesentliche Konsequenz ist, noch deutlicher darauf hinzuweisen, dass Salmeterol oder Formoterol nur zusätzlich und nicht isoliert eingesetzt werden dürfen.“
    Das ist auch der Kernpunkt der Warnung, die künftig in den Fachinformationen für Ärzte und in den Beipackzetteln für Patienten die bisherigen, weicheren Formulierungen ersetzt. Die US-amerikanische und die europäische Arzneibehörde sind sich allerdings darin einig, dass bei korrektem Einsatz der Nutzen der strittigen Medikamente überwiegt.

    Verbot vom Tisch

    Ein Verbot ist deshalb vom Tisch, zumal es für die Substanzgruppe keine echten Alternativen gibt. „Dass auch bei fachgemäßer Verwendung ein Restrisiko bleibt, ist nicht ganz auszuschließen“, urteilt Heinrich Worth. Aber für den einzelnen Patienten sei das Risiko minimal.
    Eher befürchtet der Atemwegsexperte, dass die Ärzte zu schnell zu den falschen Mitteln greifen. Hielten sich alle Mediziner an die Leitlinien, müsste Patienten mit leichtem Asthma die Risikodiskussion gar nicht interessieren. Denn für sie sind Salmeterol und Formeterol in der Langzeittherapie nicht vorgesehen.

  • Gesundheitsreform

    Zurzeit bestimmt die Diskussion ueber eine Reform des deutschen Gesundheitssystems fast taeglich die Titelseiten der Tageszeitungen. Fest steht, dass gespart werden muss. Aber welche neuen Belastungen den Versicherten zugemutet werden koennen und wie das System auf einen tragfaehigen Boden gestellt werden kann, bleibt umstritten.

    Arzneimittel stehen im Ruf, generell zu teuer zu sein. Anders laesst es sich wohl nicht erklaeren, warum immer weitreichendere Einschnitte in die Arzneimittelversorgung diskutiert werden. Ein naeherer Blick auf die Zahlen der letzten Jahre zeigt, dass die Ausgaben fuer Arzneimittel jedoch nur einen recht geringen Teil der Kosten des Gesundheitssystems beanspruchen.

    Seit 2001 betrugen die jaehrlichen Gesamtausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zwischen 138 und 144 Milliarden Euro Arzneimittel verursachten davon jeweils relativ konstant einen Anteil zwischen 15,5 und 16,5 Prozent. 2005 lagen die Arzneimittelkosten bei 23,7 Milliarden Euro. Zum Vergleich: In die Krankenhaeuser floss 2005 mehr als doppeltso viel Geld von den Kassen.

    Trotzdem soll bei der bevorstehenden Gesundheitsreform die Arzneimittelversorgung wieder einmal als Geldquelle dienen. Einen grossen Teil davon sollen die Apotheken erwirtschaften: unter anderem einen Posten von 500 Millionen Euro, indem sie direkt mit der pharmazeutischen Industrie Rabatte aushandeln. Kommen durch die Rabatte nicht die erforderlichen Millionen zusammen, ist geplant, dass die Apotheken den fehlenden Teil aus eigener Tasche zuschießen.

    Aber ist dieser Weg wirklich der Schluessel, um die finanziellen Noete der GKV spuerbar zu lindern? Standespolitiker wie Heinz-Guenter Wolf, Praesident der ABDA, Bundesvereinigung deutscher Apothekerverbaende, befuerchten eher, dass es dadurch zu einem Massensterben von kleineren und laendlichen Apotheken kommen wird. Die Vorsorgungsqualitaet wuerde empfindlichen Schaden erleiden, denn Patienten muessten nun viel laengere Anfahrtswege zur naechsten Apotheke in Kauf nehmen und saehen sich einer deutlich reduzierten Zahl pharmazeutischen Personals gegenueber. Viele der 140000 Angestellten in deutschen Apotheken wuerden arbeitslos und fielen dadurch auch als Beitragszahler ins Sozialsystem aus – eine zusaetzliche Belastung der Gemeinschaft.

    Die Apotheker fordern stattdessen, die Mehrwertsteuer auf Arzneimittel zu senken. Eine Halbierung des Satzes hätte im Jahr 2005 der GKV etwa 1,6 Milliarden Euro Einsparung allein bei den Arzneimittel gebracht. Vor dem Hintergrund der bevorstehenden Mehrwertsteuererhoehung zu Anfang 2007 kommt diesem Thema besonderes Gewicht zu.

  • Zum Küssen

    Ein zarter Mund braucht sanfte Pflege und Schutz
    Rein oberflächlich betrachtet leuchten Lippen verführerisch rot. Dass sie das tun, liegt an ihrem zarten Innenleben: Ihre Haut bildet so wenig schützendes Melanin (braune und schwarze Pigmente), dass die Blutgefäße durchschimmern. Einerseits hinreißend.
    Andererseits macht es die Lippen auch empfindlich. Ihnen fehlen nämlich wichtige Schutzmechanismen gegen Sonnenlicht. Und: Lippen haben fast keine fettenden Talgdrüsen. Daher werden sie leicht spröde. Also immer schön mit der Zunge an den Lippen entlang fahren? Besser nicht. Denn dadurch wird ihnen Feuchtigkeit entzogen.

    Intensivkur gegen Sonne und andere Feuchtigkeitsräuber
    Sonne, Wind, trockene Luft und Kälte tun den Lippen gar nicht gut. Sie werden rau, lassen sich aber gut behandeln. Zur Intensivkur können Sie vorm Zubettgehen eine Wundcreme auftragen, beispielsweise mit Dexpanthenol, und diese über Nacht wirken lassen. Vorbeugend schützt regelmäßige Pflege mit Lippenbalsam: Das glättet, spendet Fett und hält die Feuchtigkeit. Angenehm sind Grundlagen mit natürlichen Fetten und Wachsen. Als pflegende Zusätze haben sich Vitamin A und E, Panthenol, Bisabolol und Allantoin bewährt.

    Ständig spröde Lippen: Ursachen abklären
    Manche Hersteller setzen entzündungshemmende Extrakte aus Kamille, Ringelblume oder Rotem Sonnenhut zu. Bei bekannten Allergien sollten Sie aber darauf verzichten. Lassen Sie sich in Ihrer Apotheke beraten. Wer ständig trockene oder entzündete Lippen hat, sollte die Ursachen klären lassen: Hautkrankheiten oder Vitamin-B-Mangel können dahinter stecken.

    Sonnenschutz und Lippenstift
    Wählen Sie bei der Lippenpflege generell Präparate mit UV-Lichtfilter und im Sommer oder für den Skiurlaub einen besonders hohen Lichtschutzfaktor. Frauen, die stets einen farbigen Lippenstift auftragen, tun ihren Lippen Gutes: Die Pigmente bieten einen hervorragenden Lichtschutz. Zudem schützt der Stift meist vor dem Austrocknen.

    Kritisch sehen Hautärzte das gelegentlich zur Lippenpflege empfohlene Melkfett. Es kann Kontaktallergien hervorrufen. Als Alternative bietet sich Vaseline an. Sie ist nicht allergen, lässt sich allerdings nur schwer abwaschen.

  • Dicke zur Kasse bitten?

    Dicke zur Kasse bitten?

    Ernährungsmediziner Hans Hauner über Eigenverantwortung bei Übergewicht

    Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Ihnen stark Übergewichtige begegnen?

    Es macht mich traurig. Dicke Menschen haben eine viel schlechtere Lebensqualität, sind häufiger krank und sterben früher. Und es macht mich ärgerlich. Die Epidemie Übergewicht bedroht unser Gesundheitssystem, und unsere aufgeklärte Gesellschaft tut nichts dagegen.

    Die Gesellschaft? Ist Übergewicht nicht ein persönliches Problem?

    Viele sind dick, weil sie zu viel und falsch essen. Die Werbeindustrie verführt uns zu Fertiggerichten und Fast Food. Süßriegel werden uns als Frühstückchen verkauft. Und wir, die Gesellschaft, lassen das zu. Den Anreizen zu widerstehen schafft nicht jeder, vor allem Kinder nicht.

    Was halten Sie von dem Verbot, am Schulkiosk Süßigkeiten zu verkaufen?
    Verbote sind sinnlos. Stattdessen muss sich das Angebot am Kiosk und in den Kantinen verändern: Pellkartoffeln statt Pommes frittes, Vollkornsemmeln statt Käsecroissants, Obst statt Schokoriegel. Gesunde Ernährung muss schmecken, sonst wird sie nicht angenommen.

    Politiker fordern höhere Krankenkassenbeiträge für Übergewichtige...
    Übergewichtige verursachen höhere Kosten und sollen selbst dafür aufkommen – die Überlegung ist im Prinzip richtig. Die gleiche Forderung gibt es ja auch für Raucher oder Extremsportler. Aber gerecht wäre das auch nicht. Denn Übergewicht ist nicht nur Folge falschen Essverhaltens, sondern auch durch die Gene bestimmt.

    Können die „guten Futterverwerter“ also nichts dafür, dass sie zu dick sind?
    Sie haben es schwerer, ihr Gewicht zu halten als schlechte Futterverwerter. Wer aber weiß, dass er genetisch belastet ist, muss seinen Lebensstil anpassen, gesünder essen, sich mehr bewegen.

    Warum fällt das den meisten so schwer?
    Viele unterliegen einem Denkfehler: Sie nehmen über Monate zehn Kilo ab, essen dann weiter wie gehabt. Sie vergessen, dass sie jetzt täglich etwa 400 kcal weniger brauchen. Auf Dauer sind solche Gewichtsabnahmen oft nur mit langfristiger professioneller Unterstützung erfolgreich.

    Langfristig heißt lebenslänglich?
    Ja. Langfristig gesund essen ist die große Herausforderung in unserer Überflussgesellschaft. Prävention von Übergewicht ist die einzige Chance, dass unser Gesundheitssystem bezahlbar bleibt.


    Übergewicht und Diabetes – Eine teure Allianz

    Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer forderte unlängst: Wer ein ungesundes Leben führt, sollte dafür auch verstärkt zur Verantwortung gezogen werden. Besonders im Auge hat Böhmer, selbst lange Jahre als Arzt tätig, die Übergewichtigen – also die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes war 2005 im Durchschnitt jeder zweite Deutsche übergewichtig: 58 Prozent der Männer und 42 Prozent der Frauen. Übergewicht gilt als wichtigster Risikofaktor für Typ- 2-Diabetes, der einschließlich seiner Folgeschäden – wie beispielsweise Herzinfarkt, Schlaganfall oder Nierenversagen – die teuerste chronische Erkrankung überhaupt ist und jährlich Kosten von rund 25 Milliarden Euro verursacht.

Footer:

Die auf diesen Webseiten sichtbaren Daten und Inhalte stammen vom Blog-Inhaber, blog.de ist für die Inhalte dieser Webseiten nicht verantwortlich.